Dienstag, 25. Dezember 2012

Ich bin für dich



Still, still der Ewigkeit ergeben.
Ohne Himmel, ohne Wasser
und ungeboren.
Kein Klang, kein Körper.
Nicht einmal Nichts.

Aufnehmende Welle.
Tanzen in der Endlichkeit.
Singen dringt durch Ungeformtes.
Verdichtet sich zu Lachen.
Nimm. Ich bin für dich.




GOTT VERSTRÖMT SICH
 in die Vielheit:
Die Vielheit ist eins mit Gott.
Hier ist der Tempel,
hier ist der Altar
hier, genau hier,
findest du Gott.

Arunachala/Tamil Nadu/Indien

Ich erkenne dich



Ich erkenne dich, mein Bruder
hab dein Licht gesehen.
Ich weiß, ich weiß.
Gnade und Fluch dem Wissen,
denn es lässt auch erkennen,
wie weh des Zweifels Schmerz.
                         
Ich sehe, ich sehe, mein Bruder
und wünschte manchmal, wäre ich doch blind.
Könnte nichts erkennen.
Ich gäbe dir meine Augen,
wenn du nur ahntest,
was ich weiß.

Ich leide still im Bardo, Lieber.
Brenne im Feuer des Wartens
und kann nichts tun.
erblickend deinen Kampf.

Ach, könnt´ ich im tosenden Gefecht
neben dir stehen,
und mit dir die Zweifel niederbrennen.
Könnt´ ich dir die Schale reichen,
die deinen Mut erfrischt,
und deine Wunden beweinen
vom Reiben an der Welt,
deine Engel aufrufen
und sie bitten
dir beizustehen.
Ich würde die Dämonen nieder brüllen,
versuchten sie deine Stille zu stören,
wenn du im Erkennen blühst
und staunst und staunst und staunst.

Ach, wenn es doch so wäre...

Ich würde tausend Tage weinen,
könntest du doch einmal sehen.
Und rufen viele tausend Jahre
und schweigend beten, flehen: 
Sieh doch, sieh doch, sieh!

Lass mich solange sterben, Gott,
bis mein Geliebter still erwacht
und im Erkennen schaudert.
So will ich dankend auf ihn warten
viele tausend Leben lang.

Das gelobe ich.

Liebeserklärung



Wie gerne würde ich für dich
die bunten Bahnen ausbreiten
und dir behilflich sein,
wenn du Raum brauchst
für deine Arbeit.
Ganz still würde ich sein,
wenn du ausrechnest,
wie viele Schnitte du brauchst
und wo du sie setzen musst,
während ich mit den Stecknadeln
in der Hand warte,
bereit dir beim Säumen
behilflich zu sein.
Wie gerne würde ich
dir den Faden einfädeln,
auch wenn meine Augen
schlecht sind
und ich ewig brauchen würde.
Und wenn dann die Maschine
lustvoll rattert,
würde ich einen Tanz dazu machen.
Ich würde mit dir lachen,
wenn das erste Kleid fertig ist
und mit dir weinen oder fluchen,
wenn du Nähte wieder trennen musst.
Und wenn du erschöpft bist,
würde ich dir zu trinken geben
oder dich lieben inmitten der Stoffe
Und wenn du dann allein sein willst,
werde ich dankbar gehen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Mit dir schauend



für meinen verstorbenen Freund...

Ich blase mit dir ins Horn
mein Bruder.
Die Götter rufend.
Hoch auf dem goldenen Wagen.
Schauend die Welt.

Ich schreite mit dir durchs Feuer
Geliebter.
Lodernde Lust.
Die Körper vereint im tantrischen Tanz.
Schauend die Liebe.

Ich wandere mit dir zur Quelle
Freund.
Wasche dich sanft.
Wir tauchen in Reinheit, unschuldiges Lachen.
Schauend das Glück.

Ich hocke neben dir auf Erde
mein Barfüssiger.
Rufend die Zeugen zum Gebet.
In Stille verharrend.
Schauend die Ewigkeit.

Ich knie bei dir im Tempel
mein Heiliger.
In Erkenntnis still.
Und durchweicht von dankbarer Demut.
Schauend Gott.

Ich weine mit dir im Bardo
mein Seliger.
Tragend die Last.
Gefangen im Rad der Zeit und der Qual.
Schauend den Schmerz.

Ich singe allein in der Höhle
mein Falke.
Webend die Liebe.
Blicke dir nach in den endlosen Himmel.
Schauend das Nichts.




Paradies


Da stehen wir nun,

Hand in Hand im Paradies.
Und ein lächelnder Gott
entlässt seine Kinder.
Barfüssig erstürmen wir die Gipfel,
übermütig unter jedes Blatt schauend,
auf der Suche nach dem Schöpfer.
Von soviel Schönheit und Übermut
durchtränkt,
geben wir uns hin,
leichtsinnig, lachend.
Die Sonne kitzelt unsere Nacktheit.
Und mutig und bereitwillig
laufen wir in alle Feuer.
Um das zu entdecken
was nicht brennen kann,
und schleudern eifrig Asche in den Wind.
Was bleibt?
Was bleibt, wenn es nichts mehr gibt,
was wir noch finden könnten?
Wir lachen über die Leere.
Zusammen ist es leicht ein Gott zu sein.
Ein Kinderspiel.
Übermut in Hülle und Fülle.
Absolute Ehrlichkeit,
schonungslose Offenheit.
Was gibt es sonst noch zu erobern?
Was gibt es sonst noch zu erfahren?
Eine schimmernde Aura ist unser Zuhause.
Wohlwollen kleidet uns ein.
Grenzen machen uns lachen.
Von Traurigkeit ernähren wir uns.
Ein Löffel für dich, einer für mich.
Und der nächste für das Nichts.
Und obwohl wir darum wissen,
nehmen wir uns reichlich
von dem was es nicht gibt.
Und teilen uns das Nichts.
Und wissend um den Abschied,
der jeden Übermut zerbricht,
und uns begleitet Tag für Tag,
so öffnen wir ihm doch die Türe
Soll er doch eintreten,
wenn er mag.